Zwischen den Stühlen

Alltagsnotizen eines Christen in Israel und Palästina

Verfasser/in: von Rainer Stuhlmann

Ich weiß, was für Gedanken ich über euch habe, spricht der Herr, Gedanken des Friedens und nicht des Unheils.
So heißt es in Jeremia 29 Vers 11. An diese Worte erinnerte ich mich, während ich die Erlebnisse von R. Stuhlmann las.

 

Durch die Schilderungen der Begegnungen und Erlebnisse mit Menschen in Israel und Palästina in verschiedensten Lebensbereichen und -situationen entsteht ein politisches, kulturelles, religiöses und geschichtliches Buch, in dem der Autor R. Stuhlmann alle diese Perspektiven kritisch hinterfragt. Dem Leser wird durch die einzelnen Kapitel und Geschichten ermöglicht, das Buch nicht chronologisch lesen zu müssen. Er bekommt den Raum, den er braucht, um das Gelesene zu hinterfragen und zu verarbeiten. Das Buch ist höchst emotional, hoffnungsvoll, wunderbar und bedrückend ehrlich. Es führt dem Leser vor Augen, dass jeder etwas zum Friedensprozess beitragen kann, egal wo auf der Welt er sich befindet.

Stuhlmann zeigt zum einen Wege und Begegnungen, in denen Dialog und Friedensprozess bereits funktionieren, zum anderen kommt einem die Realität oft sehr nahe und sie verdeutlicht, dass es ein langer und kein leichter Weg ist, bis der Frieden alle Schichten des Lebens in Israel und Palästina – und darüber hinaus – durchdrungen hat.

Die Lebensgeschichten vieler mutiger Israeli und Palästinenser, die R. Stuhlmann in seinem Buch beschreibt, sind Hoffnungsträger und Anreiz dafür, dass es lohnenswert ist, sich zwischen den Stühlen zu bewegen, anstatt sich auf eine Seite zu stellen, um eine differenzierte Betrachtung der Realität zu erhalten. Rasch und undifferenziert für eine Seite Partei zu ergreifen, ist für R. Stuhlmann das, was den Prozess der Feindesliebe als Entfeindung behindert.

Hinter die mediale Berichterstattung zu blicken, bei einem Besuch die kleinen Begegnungen nicht zu scheuen und die massentouristischen Wege zu verlassen, um sich einzulassen auf das Leben vor Ort, dazu regt R. Stuhlmann an.

Es sind diese Menschen, wie israelische und palästinensische Jugendliche, die gemeinsam ein Musical aufführen und dabei erkennen, wie Symbole und Feindbilder einander verletzen können, Palästinenser, die der Kristallnacht gedenken oder eine unermüdliche jüdische Aktivistin, die sich für die Rechte der Palästinenser in Israel und den von Israel besetzten Gebieten einsetzt. Ebendiese verdeutlichen einem gleichzeitig, dass es den Staat Israel geben muss, […] um wenigstens an einem Platz dieser Erde geschützt und ungestört einfach jüdisch leben zu können. Auch die Geschichte eines jungen Palästinensers, der gewaltfreien Widerstand leistete und im Zuge der Entführung dreier israelischer Jugendlicher in israelische Haft genommen und nicht wieder freigelassen wurde, als die tatsächlichen Mörder der Jugendlichen gefasst waren, berührt zutiefst.

Die Geschehnisse rund um die Entführung und Ermordung der israelischen Jugendlichen ging weltweit durch die Presse. Stuhlmann berichtet von den Ereignissen in Israel und Palästina,die sich in Bezug auf dieses Geschehen entfachten und eröffnet – oft entgegen der medialen Berichterstattung – eine Betrachtung beider Perspektiven. 

Und auch wenn ich meinen eigenen Israelbesuch überdenke, war nicht der Besuch in der Grabeskirche mein emotionalster Moment, wie es für viele der Fall sein mag. Es waren Begegnungen mit den dort lebenden Menschen, wie einem homosexuellen Juden in Tel Aviv, der aus Jerusalem wegzog und von seiner Familie verstoßen wurde, einem muslimischem Taxifahrer am Schabbat, einem christlichen Verkäufer im Souk von Jerusalem, einem orthodoxen Rabbi oder einer liberalen Rabbinerin, die mich berühren und nachdenklich werden lassen.

2. Auflage 2015 (16-seitiger farbiger Bildteil) gebunden / 14,5x22,2 cm / 155 Seiten

ISBN 978-3-7615-6179-9 Neukirchener Aussaat,   € 12,99

 

Gotje Aurin

 

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