Altwerden beginnt im Kopf - Jung bleiben auch

Verfasser/in: von Abtprimas Notker Wolf mit Leo G.Linder

Abtprimas Notker Wolf ist der oberste Repräsentant des Benediktinerordens, des ältesten Ordens der Christenheit.
In diesem Buch sinniert und plaudert er über das Älterwerden und den damit verbundenen Problemen und Möglichkeiten.
Er selber steht als Mittsiebziger nach eigenen Bekundungen noch persönlich und beruflich mitten im Leben.
Über dreiundzwanzig Kapitel geht der Autor auf wichtige Fragen des Älterwerdens ein.

 

So setzt er sich mit der aufkommenden Endzeitstimmung des Alterns, dem Verhältnis zur nachfolgenden Generation, der Erfüllung des Lebens, der Reife und Gelassenheit auseinander. In anderen Kapiteln geht der Autor in theologisch überzeugender Weise auf die besonders brisanten Fragen der Angst vor dem Sterben und der Auferstehungshoffung und der Einsamkeit im Alter ein. Seine Ausführungen macht er jedoch nicht von einer erhöhten wissenschaftlichen Warte aus, sondern er begibt sich bewusst in die Niederungen der ganz persönlichen Alltagserfahrungen. Damit vermittelt er den Lesern, dass auch ein im Klosterleben beheimateter Abtprimas die Lebenswirklichkeit kennt, ja, an ihr nicht vorbeischauen kann. In oftmals lockerer Weise gibt er eigene Erfahrungen preis, erzählt beispielhaft Anekdötchen aus dem Klosterleben, scheut sich aber auch nicht, gesellschaftliche Entwicklungen der Neuzeit kritisch in Augenschein zu nehmen.
Durch alle Einlassungen hindurch schimmert in farbefroher Weise sein Lebensoptimismus, der auch den Leser nicht unberührt lassen kann und ihn ermutigt, auf bestimmten Gebieten die eigene Haltung zum Älterwerden zu überdenken. Worin liegt der Optimismus des Autors begründet? Einerseits sicher in seiner mit den verschiedensten Qualitäten ausgestatteten Persönlichkeit, seinen Begabungen und Interessen. Andererseits und hauptsächlich aber, so bekennt er selber, liegt der Grund für diesen Lebensoptimismus auch im Alter in seinem Glauben an Jesus Christus begründet. So schreibt er: „Ich stelle sogar fest, dass die Gestalt Jesu Christi überhaupt mit den Jahren immer bedeutsamer für mich geworden ist. Sie kommt mir näher oder ich komme ihr näher. Früher war meine Christusbeziehung anders, unpersönlicher, vielleicht theologischer. Jetzt ist mir, als würde ich Jesus noch einmal neu kennenlernen, als könnte ich in eine Art Erfahrungsaustausch mit ihm treten, und was ich früher nur gewusst habe, berührt mich jetzt, gegen Ende meines Lebens, tief in der Seele: Er ist Befreier, der Erlöser.“ (S. 222) Gerade in diesen Teilen des Buches, wo es um Tod und Auferstehen geht, erlangt es seine besondere Überzeugungskraft und Ermutigung für den Leser. Von daher braucht der alternde Mensch, und insbesondere Christ, nicht schon in vorzeitiger Erstarrung auf das Ableben zu warten, sondern solange die Kräfte es ermöglichen,  sollte er Aufgaben mit offenen Augen und klaren Verstand in Angriff nehmen.
Auch wenn hin und wieder verstärkt Weihrauchschwaden die Person des hochbeschäftigten Abtprimas umwehen, bietet das Buch den Lesern viele hilfreiche Anregungen, konkrete Beispiele und Empfehlungen, nicht  vor dem Älterwerden einzuknicken, sondern in hoffnungsvoller Ausrichtung und gläubigem Vertrauen die geschenkten Jahre anzunehmen.

· 256 Seiten      · adeo Verlag      · 16,99 EUR

Otto K.-H. Aurin
ChristLit
FeG Essen Katernberg