Gut oder böse?

Tugenden. Maßstäbe für richtiges Handeln

Verfasser/in: Klaus Berger/ Andreas Fritzsche

„In der Wirklichkeit ist es gar nicht möglich, das Handeln des Menschen eindeutig als gut oder böse einzuordnen. Es ist immer beides zugleich.“ (S.7) Diese Feststellung des Autors Klaus Berger, Professor für Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg, besagt eigentlich schon alles, was es zu diesem Thema zu sagen gibt, zumindest wenn man die Aussage auf den alternativ formulierten Buchtitel bezieht. In der weiteren Verfolgung des Themas und der Entfaltung der Unterpunkte eröffnet sich verständlicherweise dennoch viel Diskussionsstoff.

 

Dabei lassen sich die beiden Autoren nicht so sehr auf das weite Feld der philosophischen Erörterungen und Überlegungen über das ‚Böse‘ oder ‚Gute‘ ein wie sie bei Kant, Nietzsche, Lorenz, Safranski und Neimann u.v. weiteren Denkern zu finden sind, sondern sie holen sich ihr Gedankengut eher aus der antiken und frühchristlichen Welt, wie anhand der Zitate und des griechischen und lateinischen Vokabulars zu erkennen ist.

In der Ausführung der einzelnen Kapitel wechseln sich die Autoren ab, wodurch aber keine konträren Positionen bezogen werden, vielleicht eine jeweils andere Herangehensweise an die Thematik. Wobei die von A. Fritzsche alltagsnäher erscheint und die von K. Berger eher theologisch Grundsätzliches offeriert. Beide bleiben in ihren Ausführungen durchweg gut lesbar, inhaltlich anschaulich und gedanklich problemlos nachvollziehbar. Dass es gelegentlich zur Ausbreitung von allgemein bekannten Wissens- und Kenntnisständen, wie

z. B. die Erläuterungen zu den Tugendkatalogen, zu Erziehungsfragen und den Ausführungen zur Gelassenheit kommt, ist verzeihlich und vielleicht zur Wiedererinnerung gar nicht so schlecht. Die Problematik des Zeitmanagements passt aber weniger in den thematischen Gesamtzusammenhang und scheint eher der beruflichen Neigung des Zweitautors entsprungen zu sein.

Die lebenspraktisch entscheidende Frage: Woher nehmen wir die Kraft, das Böse zu meiden und das Gute zu tun?“ wird zwar richtig, aber wenig hilfreich, da viel zu allgemein, beantwortet, wenn der Autor schreibt: “Gott bläst uns in die Segel. Der Heilige Geist gibt die Kraft.“ (S.145) Jeder Christ und jeder Segler weiß, dass es Zeiten der Flaute gibt, und dass der Wind nicht zu regulieren ist. „Der Wind bläst, wo er will und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin erfährt.“ (Joh.3,8) So erklärt Jesus dem Pharisäer Nikodemus die Wirkweise des Geistes. Die Autoren geben aber an genügend anderen Stellen in dem Buch sehr hilfreiche Anregungen, wie man den Trend zum Bösen abwenden und den Weg zum Guten finden kann. Von daher gewinnt das Buch auch seinen besonderen Wert. Es regt an, die persönliche Wert- und Lebenshaltung zu überprüfen, die eigene Position in unserer pluralistischen Zeit und Gesellschaft zu orten und sich auf den Fundamenten christlichen Glaubens und mit Gottes Hilfe in die richtige Richtung zu bewegen. Es ist also jedem zu empfehlen, der sich über den Alltagstrott und den üblichen Meinungsplausch hinaus mit den Problemen der Ethik und der biblisch begründeten Lebensführung befassen möchte.

Prof. Dr. Klaus Berger, geb. 1940, ist Theologe. Er war von 1974 bis 2006 Professor für Exegese des Neuen Testaments an der Evangelisch – Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Als einer der führenden Neutestamentler publizierte er neben vielen Monografien und Fachaufsätzen auch zahlreiche Beiträge für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung". Sein Buch über Jesus wurde zum Bestseller.

Dr. Andreas Fritzsche ist Philosoph und Theologe. Die Akademie der Diözese Hildesheim leitete er zwölf Jahre als Direktor und war in Goslar Ratsherr. An der Leuphana Universität Lüneburg verantwortet er den „Offenen Hörsaal" und lehrt verschiedene Fachgebiete. Unternehmen und soziale Einrichtungen berät und begleitet Fritzsche in Zukunftsprozessen. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Adeo Verlag in der Gerth Medien GmbH, Asslar

1. Aufl. 2010

Preis: € 14,99

Otto K.-H. Aurin (ChristLit)