Feuer in meinem Herzen

Die Kraft der Mitmenschlichkeit

Verfasser/in: Henri Nouwen – Vincent van Gogh

Ausgangspunkt für die Entstehung dieses Buches waren Gespräche, die der Herausgeber und Lektor, Franz Johna, mit dem berühmten katholischen Theologen, Psychologen und spirituellen Autor, Henri Nouwen (1932-1996) geführt hat. Henri Nouwen hat während eines Aufenthaltes in Freiburg in einer Kunsthandlung großformatige Kunstdruckblätter von Zeichnungen und Gemälden seines Landsmannes Vincent van Gogh entdeckt.  

 

Von diesen Bildern und der Biografie des Malers war er so fasziniert, dass er in ihm immer stärker einen „wirklichen Weggefährten", ja sogar „seinen Heiligen" sah. Im Laufe der Jahre kam er dazu, das Werk van Goghs bei den verschiedensten Gelegenheiten in seine Lehr- und Vortragstätigkeiten einzubeziehen. Zwei dieser grundlegenden Vorträge sind Hauptbestandteile dieses Buches neben einem Vorwort von Anselm Grün, Auszügen aus seinen Briefen und 13 farbigen Abbildungen. Dabei ist es besonders wichtig zu berücksichtigen, dass das Werk van Goghs von Henri Nouwen unter dem „geistlichen Blickwinkel des Mitleidens" verstanden und gedeutet wird. Denn aus der Biografie des Malers ergibt sich, dass er anfänglich ein geistliches Amt anstrebte und als Prediger auch zwei Jahre lang unter den armen Bergleuten im Belgischen Borinage lebte, dann aber erkannte, dass er den Menschen mit seiner künstlerischen Begabung viel näher kommen konnte. Aus tief empfundenem Mitgefühl heraus malte er von da an die Armut, Verzweiflung und Trostlosigkeit der Menschen.

Henri Nouwen sieht darin eine von drei entscheidenden Komponenten des Mitleidens, nämlich der Solidarität, dem Mit-leiden, „dorthin zu gehen, wo man leidet..." Durch seine mitleidende Gegenwärtigkeit und seine Aufmerksamkeit, die van Gogh den Grubenarbeitern und Bauern schenkte, gewann er deren Vertrauen und konnte sie darüber trösten. Trost geben zu können sieht Nouwen als die zweite Komponente des Mitleidens. Und in der Wieder-erkennung im Bild und durch die Farben, später vor allem durch das ‚göttliche Gelb' der Sonne, vermochte der Maler auch Stärkung zu geben, worin Henri Nouwen die dritte grundlegende Komponente des Mitleids sieht. „Die sonnenüberfluteten Landschaften, glühende Weizenfelder, Olivenhaine, Zypressen und Menschen, von denen ein Glanz ausgeht, sprechen eine eigene wortlose Sprache." Darin hat Vincent van Gogh dann auch seine Berufung gefunden, nämlich aufrichtiges menschliches Empfinden zum Ausdruck zu bringen.

Diesen grundlegenden Zugang zu den Bildern van Goghs verfolgt Henri Nouwen auch in seinem zweiten Vortrag, wobei einige aufschlussreiche detaillierte Ausführungen und Interpretationen hinzukommen. Die Ausführungen werden durchweg mit Zeugnissen aus den literarisch wertvollen Briefen Van Goghs unterlegt. Von daher entstehen im Gesamt-zusammenhang des Buches Überinformationen, da wichtige Äußerungen des Malers mehrfach auftauchen und Verwendung finden.

Die Bildtafeln sind passend zu den Texten ausgewählt und hinterlassen aufgrund des ansprechenden Farbdruckes und Zuschnittes eine den Ausführungen Nouwens gut nachvollziehbare Wirkung bei den Lesern.

Ein sehr empfehlenswertes und ansprechendes Buch zur eigenen Meditation, aber ebenso zum Verschenken an Menschen, die einem viel Wert sind.

Vorgestellt beim ChristLit Themenabend und im Gemeindebrief Juni 2007 von

Otto- K.- H. Aurin

Erschienen im Herder Verlag, Freiburg 2006

Preis: 19,90 €